Томислав Новаковић филозоф

Среда | 22. Септембар 2021.

Tomislav Novakovic

Der reine Wille in Kants Werk „Kritik der reinen Vernunft“/Prinzipien der praktischen Logik

Аутор: Томислав Новаковић

Nur aus diesem ältesten „eins“ des immer gleichen Eigenen hat man das Wissen von der Zahl „eins“, jeder Gleichheit wie „es ist“ und „ja“, der Übereinstimmung in Begriffen und in Wissensurteilen! Nur aus einem gestrigen, heutigen, morgigen, selbstoffensichtlichen immer gleichen Eigenen, das unabhängig von allen innerlichen oder äußerlichen Veränderungen ist, hat der Mensch ein Bewusstsein vom Selbst, das Selbstbewusstsein. Gerade dieser synthetische Grundsatz des reinen Willens und des immer gleichen Eigenen legt den Grund für das A=A, bzw. den logisch-analytischen Urgrund des Satzes der Identität und des Satzes des Nichtwiderspruchs. Und weil es eine konkrete Beständigkeit des selbstoffensichtlichen, synthetischen Grundsatzes des reinen Willensbeim selben Ich=Ich des immer gleichen Eigenen, gibt es auch die leere allgemeinlogische Mathematik; Und das die Quintessenz und das Ende der zweitausend Jahre alten Diskussion!

Der reine Wille in Kants Werk „Kritik der reinen Vernunft“/Prinzipien der praktischen Logik

 

Tomislav Novakovic[1]

Der reine Wille in Kants Werk „Kritik der reinen Vernunft“[2]

 

„Dass ich ein Mensch bin, das ist auch einem anderen Menschen mit mir gemein; dass ich sehe und höre und esse und trinke, das tut auch ein anderes Tier; aber dass ich bin, das ist keines Menschen sonst als allein mein, weder eines Menschen noch eines Engels noch Gottes, außer sofern ich eins mit ihm bin.“

                                                           

Meister Eckhart  Fragmente (Aussagen Zitate)

 

Zusammenfassung: Diese Arbeit wird zeigen, dass unter dem reinen Verstand, dem logischen Selbst, der theoretischen, kritischen Vernunft, der transzendentalen, analytischen Logik der synthetische Grundsatz des reinen Willens, die selbstkritische Vernunft, praktische Logik und das immer gleiche Eigeneeigentlich inbegriffen sind.

Hauptbestimmungen: das reine Selbst, logische Gesetze, der sich selbstoffenbarende Wille, das immer gleiche Eigene, die formale und praktische Logik, die Wissenschaft in der Philosophie, Kants erscheinende und wesentliche kopernikanische Wende

 

 Einleitung

 

Auf den ersten Blick erweckt der Titel „Der reine Wille“ in Kants „Kritik der reinen Vernunft“ Staunen! Wie kann es sein, dass der reine Wille in KantsKritik der reinen Vernunft“ auftritt? Hatte Kant in seiner ersten Kritik das „Ich denke“ nicht nur als rein leere Verstandesform für alle blinden Erkenntnisinhalte eingeführt und den reinen Willen erst in der „Kritik der praktischen Vernunft“ hingegen!? Hiermit soll bewiesen werden, dass der reine Wille schon in der „Kritik der reinen Vernunft“ anwesend sein muss und es werden die Grundlagen des ursynthetischen Selbst und der Logik selbst abgeleitet.

 

Das reine Selbst und die Logik

 

Worauf beruht die Logik hinsichtlich des Grundansinnens?

Aristoteles erörtert die Verbindung der logischen Gesetze und der eigentlichen Vernunft an sich, des Denkens nicht. Logische Gesetze gelten für alle Formen und Inhalte des Denkens. Das wahre Denken hat mit den logischen Gesetzen übereinzustimmen, dies gilt sogar auch für Gottes Denken über das Denken selbst.

Dennoch stellt sich die Frage, ob die logischen Gesetze unabhängig von der Subjektivität - Objektivität und aller  Denkformen - Denkinhalte an sich gelten? Oder setzen logische Gesetze eine ältere Subjektivität voraus, die notwendig für jede logische Einheit ist und so auch für die Einheit der Logik an sich?

Versuchen wir die logischen Grundgesetze näher zu betrachten.

Beginnen wir doch mit dem Satz vom Nicht-Widerspruch, der dreifach formuliert werden kann.

Die erste, rein logische Formulierung betont, dass eine richtige Aussage nicht gleichzeitig zwei gegensätzliche Behauptungen aufstellen kann.

Die zweite, erkenntnistheoretisch-logische besagt, dass richtiges Urteilen, Denken und Reden einem Begriff oder Gegenstand in derselben Beziehung gleichzeitig gegensätzliche Eigenschaften zuerkannt werden können.

Schlussendlich betont die dritte, ontologische Formulierung, dass dieselbe Sache an sich nicht gleichzeitig entgegengesetzte Prädikate haben kann.

Gilt jede dieser Formulierung an sich? Oder inkludiert jede von ihnen:

1. ein Subjekt, das mit eigenem Verstand, Bewusstsein und Sinnen, welches  dieses nichtwidersprüchliche Urteil ausspricht; dem Seienden, den Gegenständen und Begriffen Eigenschaften zuerkennt.

2. eine allgemeine Sachlichkeit der Begriffe, Sachen, Wesen, Erscheinungen, denen die nichtwidersprüchlichen Eigenschaften, Prädikate zuerkannt werden, die deren Form oder Inhalt bestimmen?

Es ist offensichtlich, dass der Satz vom Nicht-Widerspruchhinslichtlich seiner Form, weder vom aussprechenden Subjekt, noch hinsichtlich des Inhalts von der Sachlichkeit im Allgemeinen getrennt werden kann. 

Anderseits ist Kant zufolge jedes Urteil, unabhängig davon, ob dieser vom Aspekt der nichtwidersprüchlichen Form oder des Inhalts betrachtet wird, kein Urteil über das Ding an sich, sondern nur ein Urteil für jemanden (für uns); so auch der Satz vom Nicht-Widerspruch. Also wennkein Urteil, nicht einmal die logischen Grundgesetze, nicht vom Subjekt getrennt werden können, so hat man das Recht, die Frage zu stellen: Kann denn die Logik überhaupt objektiv sein?

Kant baut die ganze Logik auf einem ursynthetischen Selbst, auf dem Bewusstsein vom Selbst als Selbstbewusstsein auf und erklärt: “Und so ist die synthetische Einheit der Apperception der höchste Punkt, an dem man allen Verstandesgebrauch, selbst die ganze Logik und nach ihr die Transscendental=Philosophie heften muß, ja dieses Vermögen ist der Verstand selbst.”[3] Jedenfalls hätte Kant diese Verbindung aufzeigen sollen… Doch Kant führte diese Verbindung nicht an. Deswegen ist das Entscheidende, was bei fehlt, keine weitere Deduktion der Kategorien, sondern vielmehr die Erklärung der Verbindung zwischen der Logik, genauer der logischen Gesetze und der synthetischen Urgrundlage des Selbstbewusstseins.

Davon ausgehend, dass für ihn Raum und Zeit nur unsere äußeren und inneren Sinne – reine Wahrnehmungen des Äußeren und Inneren – sind, war es wichtiger, beim Begründen der transzendentalen Logik die logischen Grundgesetze auf dem ursynthetischen Selbst beruhen zu lassen, anstatt auf der zweiten Kategorie.

 

Was ist älter: A=A, der logische Satz der Identität oder Ich=Ich – die ursprüngliche Bewusstseinseinheit?

                                                  

Obgleich das Wesentlichste des selbstbewussten Ich=Ich der Identität A=A ähnlich ist, ist deutlich erkennbar, dass Kant zufolge die logische Identität A=A nicht auf der ursprünglichen Bewusstseinsidentität Ich=Ich beruhen kann, sondern umgekehrt, d. h. auf der ursprünglichen Identität Ich=Ich, dem Bewusstsein vom Selbst im Selbstbewusstsein, die vollkommen gleich bleibt – beruht die logische Identität A=A. Das ursprüngliche Bewusstsein im Selbstbewusstsein ist der logischen Identität A=A viel mehr bedürftig, weder umgekehrt, dass die logische Identität A=A der ursprünglichen Bewusstseinsidentität bedarf. Ohne das Synthetische a priori des selbstbewussten Ich=Ich, das sich selbst gleich ist, gibt es in der Gleichheitsverbindung „es ist, dass es ist“ der wahren Begriffen, Urteilen und Wissensbeständen kein analytisch-logisches A=A. Jede nichtwidersprüchliche, analytische „ja - nein“, „es ist – es ist nicht“ und A=A Logik in der Ausgleichung des Subjekts mit dem  Prädikat beruht auf einer älteren synthetischen Grundlage: „Ich denke, ich urteile“ , auf einem nichtwidersprüchlichen und gleichen Ich=Ich.

Kant sagt:„[…]also  nur  vermöge  einer  vorausgedachten  möglichen  synthetischen  Einheit  kann ich mir die analytische vorstellen“[4] Als Kant die synthetische Einheit der Apperzeption näher erklärte, sagte er: „Ich bin mir also des identischen Selbstbewußt, in Ansehung des Mannigfaltigen der mir in einer Anschauung gegebenen Vorstellungen, weil ich sie insgesamt meine Vorstellungen nenne, die eine ausmachen.“[5]

D. h., dass man sich durch alle Vielfalt von Vorstellungen, die einem in der Anschauung geben sind, vom identischen Selbst nicht bewusst sein kann – das wäre der pure Gegenteil von Kants transzendentalen Grundsatz des reinen Bewusstseins im Selbstbewusstsein, vor allen sinnlichen Anschauungen. Man ist sich der vielfältigen, in Anschauung gegebenen Vorstellungen dank dem identischen Selbst bewusst! Durch das identische Selbst erfahre ich die Vielfalt von Vorstellungen, „meine Vorstellungen, die eine ausmachen.“

Obwohl offensichtlich ist, dass die ursprüngliche synthetische Einheit der Apperzeption „Ich denke“ das identische Selbst voraussetzt und dass vielfältige Vorstellungen erst daraus eine Vorstellung bilden und dass das Selbstbewusstsein und das identische Selbst auf dem Grund der Synthese a priori beruhen müssen und nicht darauf herabgeführt oder damit ausgeglichen werden können, hatte Kant schon im nächsten Satz die ursprüngliche synthetische Einheit der Apperzeption und das Bewusstsein vom identischen Selbst auf die notwendige Synthese a priori hinabgeleitet und sie mit dem reinen „Ich denke“, das dasselbe in jedem Bewusstsein ist, ausgeglichen! „Das ist aber soviel, als, daß ich mir einer nothwendigen Synthesis derselben a priori bewußt bin, welche die ursprüngliche synthetische Einheit der Apperception heißt, unter der alle mir gegebene Vorstellungen stehen, aber unter die sie auch durch eine Synthesis gebracht werden müssen.“[6] Offenbar kann die Quelle der Verbindung a priori nicht an sich sein, weil sie ein identisches Selbst voraussetzt, das keinesfalls nicht nur eine rein einfache Verbindung ist, da es das identische Selbst ist, das jede Verbindung überhaupt ermöglicht.

Demnach könnte manmeinen, wenn Kant sagt:  „[...] die ursprüngliche Apperception, weil sie dasjenige Selbstbewußtseinist, was, indem es die Vorstellung; Ich denke, hervorbringt, die alle andere muß begleiten können und in allem Bewußtsein ein und dasselbe ist, von keiner weiter begleitet werden kann.“[7],  dass es sich dabei um dasselbe „Ich denke“ handle, diese ursprünglich synthetische Einheit des Selbstbewusstseins, die nicht nur jede Vorstellungsmöglichkeit und jede empirische Vorstellung gründet, sondern auch jedes empirische Bewusstsein! Sie sollte als reine Verbindung vor allen Kategorien und jeder objektiven Synthese der Vorstellungen in einem Begriff, der Begriffe in einem Urteil stehen. Aber wenn die ursprüngliche Apperzeption nur das Selbstbewusstsein darstellt, das in jedem Bewusstsein sogar eine Vorstellung „Ich denke“ produziert, dann ist es offen Eigenesichtlich, dass „denke“ erst nach einem älteren Bewusstsein vom Selbst im Selbstbewusstsein und identischem Selbst möglich ist. Beruhen denn die Quelle des Selbstbewusstseins und das identische Selbst nicht auf einem und demselben „Ich denke“, anstatt umgekehrt, dass „Ich denke“ auf der Quelle des Selbstbewusstseins und dem identischen Selbst beruht!?

Sie sollte als reine Verbindung vor allen Kategorien und jeder objektiven Synthese der Vorstellungen in einem Begriff, der Begriffe in einem Urteil stehen. Aber wenn die ursprüngliche Apperzeption nur das Selbstbewusstsein darstellt, das immer dieselbe Vorstellung „Ich denke“ produziert, dann ist es augensichtlich, dass „denke“ erst nach einem älteren Bewusstsein vom Selbst im Selbstbewusstsein und identischem Selbst möglich ist. Beruhen denn die Quelle des Selbstbewusstseins und das identische Selbst nicht auf einem und demselben „Ich denke“, anstatt umgekehrt, dass „Ich denke“ auf der Quelle des Selbstbewusstseins und dem identischen Selbst beruht!?

Doch falls die Möglichkeit besteht, das „denke“ im ursprünglichen „Ich denke“ durch „Ich urteile, setze die Regeln, bestimme, synthetisiere, verbinde“ zu ersetzen, dann ist es offensichtlich, dass das ältere identische Selbst nicht von seinen ersetzbaren Unterbestimmungen herabgeleitet wird, sogar auch nicht vom wichtigsten „denke“, der ursprünglich reinen Verbindung gegenüber den möglichen Kategorien aller Begriffe, Wissensurteile, sondern alle diese ersetzbaren Unterbestimmungen werden vom unersetzbaren, reinen und gleichen Ich=Ich abgeleitet.

Sogar wenn auch Fichte das Ich mit dem Denken als ein Handeln später ausgleicht, oder das Denken als ein Handeln mit dem Ich, dem hauptsächlichen Wissen oder dem wichtigsten Sein, definiert dieser Ausgleich auch weiterhin weder das Ich, noch das Denken, das hauptsächliche Wissen oder das wichtigste Sein!

Im weiteren Text wird gezeigt, dass das spontane „Ich denke, urteile“ in seinem ältesten synthetischen Grundsatz nicht nur das identische Ich, sondern auch den älteren reinen Willen, ein selbstoffensichtliches, vorerkennbares, vorbegriffliches und immer gleiches Eigene sucht.

 

Das willentliche Selbst und logische Selbst

 

In der „Kritik der reinen Vernunft“ ist das transzendentale Selbst im erkennbar-wissenschaftlichen Sinne vorrangig und das einzelne, empirische Selbst zweitrangig. Kant beraubt das reine „Ich denke, urteile“ jeglichen Willens, jeglicher Identität. Wie ist dennoch möglich, dass der synthetische Ursprung nur allgemeinlogisch sein kann, da das Selbstbewusstsein erstens das Bewusstsein vom Selbst, vom eigenen, selben Selbst, ist!? Das Bewusstsein vom Selbst als reiner, nichtwidersprüchlicher Wille des reinen, selben Ich=Ich, mit klaren „ja–nein“, „es ist – es ist nicht“ Verbindungen, muss vorerst synthetisch sein, um überhaupt mit der leeren, logischen Verbindung A=A analytisch sein zu können! Gerade dieses vorlogische, vorerkennbare Ich=Ich, bzw. das immer gleiche Eigene, trägt das identische A=A in Begriffen und Urteilen. Was sonst erhielt die Einheit der Logik erhalten und stünde auf den Festen der Logik, der logischen Gesetze?

Nur weil das reine Selbst nicht nur logisch und die älteste, synthetische Einheit vorerst des immer gleichen Eigenen beigehört, einem willentlichen Ich=Ich, hat die allgemeinlogische Form A=A (analytische Identität) doch einen Boden im Denken, Urteilen und Wissen. Kant besagt: „Die analytische  Einheit  der  Apperception  ist nur unter der Voraussetzung irgendeiner  synthetischen möglich.[8] Doch nur der reine Wille und das immer gleiche Eigene können die ältere synthetische Grundlage sein, die nicht nur die Einheit jedes Begriffs, Urteils, Schlusses, jeder Erkenntnis- und Erfahrungsschlussfolgerung und aller praktischen Entscheidungen und Handlungen ermöglicht, sondern auch die Einheit des Verstandes, der Logik und der notwendigen Synthese a priori „Ich denke, urteile“! 

Demzufolge hat das rein logische Selbst seinen Grundsatz er in einem willentlichen Selbst. Gerade aus dem reinen Willen und dem immer gleichen Eigenen wird das allgemeinlogische „Ich denke, urteile“ für die Synthese aller Vorstellungen in Begriffe, der Begriffe in Wissensurteile postuliert. Nur vom reinen Willen und immer gleichen Eigenen ausgehend, hat der Mensch die Macht in sich, sein eigenes Selbst. Der reine Wille und eine Ich=Ich-Verbindung, das immer gleiche Eigene, trägt in sich eine Logik, die Einheit der Logik, und jede „Es ist, dass es ist“-Verbindung in Begriffen, in Schlüssen und es ist nicht der Fall, dass die reine Logik und das allgemeinlogische Selbst unsere Sinnlichkeit, das immer gleiche Eigene trägt. Wenn das reine Selbst kein reiner Wille und kein immer gleiches Eigenes wäre, warum hieße es dann überhaupt Selbst, wäre Selbst?

Es handelt sich nicht darum, dass ein entpersonalisiertes, unwillentliches nur logisches Selbst durch die kopernikanische Wende die allgemeine und notwendige Erfahrung und ganze Objektivität begründet und mithilfe der transzendentalen, kritischen Methode alle Auffassungen und Werte der traditionellen Metaphysik auflöst, was im zweiter Linie war, sondern darum, dass mittels der ältesten, synthetischen Grundlage die reine Subjektivitätrichtig als Problem dargestellt wird; gemeinsam mit traditionellen Werten, wie auch die traditionellen Werte mit ihr. Die kopernikanische Wende sollte zeigen, dass erst von der synthetischen Grundlage eines reinen Willens, immer gleichen Eigenen, eines willentlichen Selbst ausdie Logik an sich möglich ist, und zwar das reine, identische, gleiche, „nur“ logische Selbst.

 

Hegel's absolute logic

 

Hegel hat in seinem Werk „Wissenschaft der Logik“ das absolute, unendliche Wesen Gottes auf das absolute, unendliche Wesen der Logik zurückgeführt. Aber wie auch Kant das ursynthetische Selbst nicht mit der Logik, dem Bewusstsein von der Logik, ausgleichen konnte, sondern die ganze Logik erst auf dem älteren synthetischen Selbst gründet hatte, konnte auch Hegel das absolute, Gottes Selbst nicht auf das Absolute der Logik zurückführen, mit der Absolutheit der Logik ausgleichen, sondern musste die höchste synthetische Einheit des reinen Begriffs vom Begriff der absoluten, dialektischen Logik wieder auf dem vorlogischen, überlogischen Gott aufbauen! Hegel versuchte mit seinem Werk „Wissenschaft der Logik“, mit dem absoluten Begriff vom Begriff, dem Gedanken vom Gedankens selbst Aristoteles‘ Gott zu erfahren; und mit der Geschichtsphilosophie, als einer allumfangender Philosophie der Philosophie, und mit dialektischem Wissen vom Wissen versucht er Platons absolute Idee zu erfassen.  So stellt die Logik für ihn Folgendes dar: „das  System  der  reinen  Vernunft, als das  Reich  des  reinen Gedankens zu fassen. Dieses Reich ist die Wahrheit [...] Man kann sich deswegen ausdrücken, dass dieser Inhalt die Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der Natur und des endlichen Geistes ist. [...]“ [9] Die Welt der Natur, Geschichte ist nur eine Entfremdung, Auslegung Gottes, der absoluten Idee.

Jedenfalls ist es nicht dasselbe, wenn vom Inhalt der ganzen Natur, Geschichte, vom erscheinenden Seienden, vom Wesentlichsten bis zum Begriff, vom Wesentlichsten des Wesentlichsten, schlussendlich vom Begriff aller Begriffe ausgehend aus allem ein höchstes Eins gesucht wird; die Logik der ganzen Natur, Geschichte in einer absoluten Idee, im absoluten und logischen Gott; und wenn die ganze Welt der Natur und Geschichte aus einer absoluten Idee, dem absoluten Gott gefolgert wird! Obwohl Hegel in der „Wissenschaft der Logik“ behauptet, er tue das Zweite, tut er gerade das Erste! Im Grunde genommen geht er von der Welt der Natur und Geschichte als Auslegung des Geistes aus und fügt dieser „absoluten“ Meinung den Inhalt aus der Natur und Geschichte zu; anstatt dass er die Welt der Natur und Geschichte aus der absoluten Idee, Gott folgert, leitet er die absolute Idee und Gott von der Natur und Geschichte ab! Auf den ersten Blick scheint es, dass Hegel vom reinen Begriff des Begriffs, vom absoluten, logischen Gottes Selbst ausgehend die höchste Deduktion der Kategorien darreiche und die Kluft zwischen Kants Selbst und der logischen Kategorien überwinde. Jedoch machte er hingegen gerade das Gegenteil, denn von der dialektischen Einheit aller verschiedenen, entgegengesetzten logischen Kategorien, vom Selbstumkehren des reinen Denkens des erscheinenden Seienden, vom Wesentlichen bis zum Begriff, vom absoluten Begriff des Begriffs und vom Wesentlichsten des Wesentlichsten aus schlussfolgert er das Selbst Gottes, den absoluten Geist, das unendliche Wesen Gottes! Darüber hinaus ist der Gegensatz des Selbst und der Logik bei Kant nicht der eigentliche, sondern eben derjenige der leeren Formen und bloßen Inhalte, des Andersseins, die Hegels Vorstellung der entfremdeten Naturwelt zumal nicht klärt. Darauf hinaus folgt der Gegensatz des Verstandes und der Sinnlichkeit und erst am Ende der Gegensatz des Selbst und der Kategorien!

Sogar unser Wille kann nicht nur auf die Logik zurückgeführt und mit der Logik ausgeglichen werden, und schon gar nicht Gottes schaffender Wille, denn er muss vorerst über die Erfahrungen und Logik hinausgehen.  Trotz alledem heißt „über die Erfahrungen und Logik hinausgehend“ nicht das Gegenteil der Erfahrungen, der Logik, sondern nur, dass es über sie hinausgeht.

 

Vor jedem Gegensatz oder Widerspruch sollte die Grundlage „Ja – Nein“, „Es ist – Es ist nicht“ aufgestellt werden. Nur der reine Wille kann die Affirmation und Negation begründen.

 

Worauf werden die Logik, die Gegensätze „Es ist – Es ist nicht“ und „Ja – Nein“, der Gleichheitsursprung, die Einheit gegenüber den Unterschieden, Gegensätzen gegründet?

Das Problem kann auch anders veranschaulicht werden: Sind Sätze der Identität, vom Nicht-widerspruch, ausgeschlossenen Dritten und sogar auch die Einheit der Logik, eine Logik, die einhellige Logizität möglich ohne die Logik des Einen? Beruht denn jedes „es ist, dass es ist“ auf einem „es ist, dass es nicht ist“? Für Heraklit ist der Logos eins und eins der Logos„alles ist eins und eins alles.“

Wenn Parmenides behauptet, dass das Seiende  ist und das Nichtseiende nicht ist, ist es offensichtlich, dass das Seiende „misst“, d.h. mit dem Sein bestätigt wird. Es gibt keine zwei, sondern nur ein Sein; „Es ist, dass es ist“ ist mit dem Eins ausgeglichen. Eine Logik kann nur die Logik des Einen sein.

Während dessen fürte Hegel mit seiner Logik des Einen, einer Logik,  die ganze Objektivität auf die absolute (Gottes) Subjektivität zurück. Widersprüche sind nur innere Unterschiede, Gegensätze einer absoluten logischen Idee.

Hegel führt alle Objektivität mit der Logik des Einen, einer Logik, auf die absolute (Gottes) Subjektivität. Widersprüche sind nur innere Unterschiede, Gegensätze einer absoluten logischen Idee. Deswegen gleicht er am Anfang seiner Logik das Seiende mit dem Nichtseienden aus. Trotzdem sollte er vor der Gleichsetzung oder der Zusammensetzung des Seienden-Nichtseienden „Ja-Nein“, „Es ist – Es ist nicht“ gründen. D.h. falls er vor dem Seienden und Nichtseienden nur „Ja“ und „Nein“, „Es ist“ und „Es ist nicht“ ausgleicht, dann verlieren die gleichen-widersprüchlichen Begriffe Seiendes-Nichtseiendes den Sinn!

Kant akzeptiert Parmenides‘ logisch-ontologischen Ausgleich des Einen mit dem Seienden nicht; dass eine Logik die Logik des Einen sein muss und dass vor jedem „Ja-Nein“, „Es ist – Es ist nicht“ (alle Kategorien betreffend) die ursprüngliche synthetische Selbstbewussteinheit gestellt werden muss.

Das älteste synthetische eins, für jedes „Es ist“ und „Ja“ kann für Kant nur im Bewusstsein vom Selbst auf dem Selbstbewusstsein gegründet sein. Jedes beliebige „es ist“, „dass“, „gleich“ und „dasselbe“ fordert für die Einheit der Vorstellungen innerhalb eines Begriffes, der Begriffe innerhalb eines Urteils, der Urteile innerhalb eines Schlusses das ursprünglich-synthetische Selbstbewusstsein, so auch den Satz des Nichtwiderspruchs selbst.

Kant stellt vor jedes „Es ist – Es ist nicht“ und „Ja – Nein“ (überhaupt vor allen Kategorien) die ursprüngliche synthetische Selbstbewussteinheit auf.

Es ist offensichtlich, dass für den Satz vom Nichtwiderspruch vorerst die Affirmation und Negationbegründet werden muss. Nur der reine Wille kann der Boden für die Affirmation – Negation sein! Er muss die Quelle nicht nur für jedes „Ja – Nein“, „Es ist – Es ist nicht“, sondern auch für jedes Was“, „Wie“, „Wie viel“, „Warum“ usw. sein. Der vorbedachte, vorlogische, reine Wille darf nicht nur auf „Dies“ und Das“ zurückgeführt oder mit Diesem“ und „Dem“ erklärt werden, sondern dieser muss die Negation bis zum freien „Nichts“ führen und die Affirmation von jedem „Was“, „Wie“, „Wie viel“,Warum usw. fundieren!

 

Der reine Wille und die Logik. Logische Grundgesetze beruhen auf dem reinen Willen, dem immer gleichen Eigenen

 

Obwohl die ursprünglich-synthetische Bewusstseinseinheit unzertrennlich von einem Selbst ist, gründet Kant das selbstbewusste Ich=Ich nicht auf dem reinen, demselben Willen. Aber gerade dieser Selbstwille des reinen und immer gleichen Eigenen trägt die ursynthetische, hauptsächliche Einheitlichkeit, das sich im ursprünglichen Selbst vereinigt. Analytische Verstandesgesetze haben ihren synthetischen Boden erst von einem reinen, gleich willentlichen, älteren Einen von der Vernunft ausgehend. Und die Spontanität des Bewusstseins, ein logisches „Ich denke, ich urteile“ vom immer gleichen Eigenen, einem willentlichen Selbst.

Unser ein und einziges Bewusstsein, ein logisches Selbst (und alle drei logischen Prinzipien) basieren auf dem immer gleichen Eigenen, reinem Willen, einem willentlichen Selbst. Dieses immer gleiche Eigenesteht für die reine Subjektivität vor der ganzen Objektivität in dem ursprünglichen Selbstbewusstsein, aller Logik der Logik und aller Erkenntnisse und Erfahrungen. Das allgemeinlogische Selbst legt keinen Grund für das einzelne Selbst und das immer gleiche Eigene, sondern umgekehrt; das einzelne Selbst und das immer gleiche Eigene gründen das allgemeinlogische Selbst. Das immer gleiche Eigene Ich=Ich, auf das sich der reine und derselbe Wille stützt, trägt die logische Gleichheit A=A, und nicht umgekehrt. Der Mensch hat sein Bewusstsein von sich selbst, seinem Ich=Ich, vom immer gleichen Eigenen, nicht von der analytischen, allgemeinlogischen Gleichheit A=A, sondern vom einzelnen und gleichen Ich=Ich, vom immer gleichen Eigenen, allgemeinlogischen A=A und allgemeinlogischen Selbst!

Auf Grund dessen wurde klargestellt, dass die formale Logik in ihrer synthetischen Grundlage die praktische Logik bereit enthält! Demzufolge beruht der Satz vom Nichtwiderspruch auf dem reinen Willen, der mit seiner ältesten, ursynthetischen Grundlage des immer gleichen Eigenen die synthetische Vereinheitlichung aller Wahrnehmungen in einem Begriff, der Begriffe in einem Urteil und Urteile in einem Schluss ermöglicht. Der Satz der logischen Identität beruht ebenso auf dem immer gleichen Eigenen, das mittels der praktischen Logik die Gedanken mit dem Gefühl, das Wort mit dem Körper und die Wahrheit mit dem Leben verknüpft. Genauso beruht der Satz vom ausgeschlossenen Dritten durch Gegensätze wie „ja-nein“, „Es ist – es ist nicht“, „Ich will – ich will nicht für klares Entscheiden, Urteilen, Handeln auf dem reinen Willen, der spontan denkt, urteilt, synthetisiert, bestimmt, verknüpft …, der auch freiwillig entscheidet und handelt. Dieses von mir aus, mir zufolge, bedeutet nichts anderes, als der vom eigenen Willen, dem Willen eines freien Selbst zufolge, dem Willen des eigenen Selbst zufolge.

 

Das immer gleiche Eigene vor jedem „es ist, dass es ist“

 

Auf welche Weise hat das Lebendige in uns immer das gleiche Eigene?

Fundiert die objektive Verbindung „es ist, dass es ist“ des einen und anderen Begriffs mittels des ältesten synthetischen Wissensurteil das ein und dasselbe Ich=Ich, die synthetische Quelle des reinen Willens-Bewusstseins oder dasselbe Ich=Ich jede  „Es ist, dass es ist“-Vereinheitlichung des einen und anderen Begriffs in einem objektiven Wissensurteil? Es ist sicher, dass jede „Es ist, dass es ist“-Verbindung mehr die Vorstellung eines Begriffs, der Begriffe eines Urteils oder der Urteil eines Schlusses ist, wobei sie erst als selbstoffensichtliches Ich=Ich möglich ist, vor jeglichem Ding oder jeglicher Verbindung von mehreren Vorstellungen und einem Subjekt und einem Prädikat in einem Urteil.

Das Bewusstsein vom Sein, wie auch jede andere „es ist, dass es ist“-Verbindung eines Subjekts und Prädikats, beruht auf ein und demselben Ich=Ich-Subjekt und keineswegs umgekehrt: das Bewusstsein von ein und demselben Ich-Subjekt in einer wahren „es ist, dass es ist“-Verbindung mehrerer Begriffe, im Ausgleich des Subjekts und Prädikats in allen möglichen objektiven Wissensurteilen. Jedes „Es ist, dass es ist“ stützt sich auf den Ursprung ein und desselben Ich=Ich, Stehens, Bleibens, der Beständigkeit des Daseins. Und vor dem „Ichweiß, dass es mich gibt“ ist das Ich aus der Ich=Ich, das immer gleiche Eigene, das unabhängig vom Wechsel, bleibt, stehen bleibt und steht, weiß ich, dass jedes „Es ist, dass es ist“ eine objektive Einheit in Wahrnehmungen, Begriffen, Urteilen und Schlüsse bildet – das beständige Dasein! Dieses immer gleiche Eigene ist ein allem untergelegter Boden jedes „Es ist, dass es ist“, jeder objektiven Einheit eines wahren Begriffs, Urteils oder eines Schlusses.

Auf den ersten Blick sieht es aus, als würde die „Es ist, dass es ist“-Verbindung in einem Urteil vom engeren zum weiteren Sinn die Verbindung von Subjekt und Objekt fundieren. Jedoch befindet sich diese einfachste „Es ist, dass es ist“-Verbindung nur im „Eins ist alles und alles eins“ und wird in der reinen Subjektivität Ich=Ich für die ganze Objektivität gegründet! Das allem unterliegende Ich=Ich, das immer gleiche Eigene ist die Grundlage jeder Prädikativität; die linguistischeBasis der Sprache – die Satzsyntax und Wortsemantik, als die älteste Achse des reinen Willens, dem  immer gleichen Eigenen, die im Wechsel immer die ein und dieselbe bleibt, stehen bleibt, steht und die ganze Beständigkeit des Daseins auf sich nimmt.

Dass vorerst das Bewusstsein vom Selbst, das Selbstbewusstsein, existieren muss, damit das Bewusstsein von jeglichem Anderenentstehen kann, heißt nichts Anderes, als dass der reine Wille, das immer gleiche Eigene, das willentliche Ich=Ich, vor dem reinen Bewusstsein, dem  allgemeinlogischen  Selbst, steht! So betrachtet ist es genau das Gegenteil von Kants Behauptungen in seiner ersten „Kritik der reinen Vernunft“!

Der Wille des einen, eines reinen, gleichen, willentlichen Ich=Ich, der sich selbst identisch, sich selbst nichtwidersprüchlich ist, klare Verbindungen wie „Ja – Nein“, „Es ist – Es ist nicht“ und „Ich will – Ich will nicht“ hat, legt den Grund für eine Logik, die Logizität des einen, ein Bewusstsein, das Bewusstsein vom einen –das Bewusstsein und die Logizität überhaupt.  Kein Mensch hat den Ursprung im allgemeinlogischen Selbst, in der Selbstoffensichtlichkeit, sondern im immer gleichen Eigenen, in einem nichtwidersprüchlichen Willen, mit klaren Verbindungen wie Ja – Nein“, „Es ist – Es ist nicht“ und „Ich will – Ich will nicht“. Bevor ich vom „Ich denke, also bin ich“ ausgehe, muss ich von meinem selbstoffensichtlichen, immer gleichen Eigenen, vom reinen Ich=Ich ausgehend das Dasein des Daseins selbst bestätigen!

Dem mathematischen 1=1, 2+2=4 liegt keine ursprüngliche logische Gleichheit A=A zugrunde, sondern gerade dieses einzelne immer gleiche Eigene, ein willentliches Ich=Ich trägt die logisch-mathematische Wahrhaftigkeit, das logische A=A. Ich bekomme ein reines Ich=Ich, das immer gleiche Eigene, nicht von der Zahl eins, sondern von einem reinen, demselben Willen, dem personalen Ich=Ich erfahre ich die Zahl eins. Wäre der Mensch nicht das immer gleiche Eigene, wüsste er nicht, was „gleich“, „dasselbe“ und „eins“ ist. Das älteste „eins“, „gleich“, und „dasselbe“ für jedes „es ist“ und „ja“ kann nur das immer gleiche Eigene sein. Nur aus diesem ältesten „eins“ des immer gleichen Eigenen hat man das Wissen von der Zahl „eins“, jeder Gleichheit wie „es ist“ und „ja“, der Übereinstimmung in Begriffen und in Wissensurteilen! Nur aus einem gestrigen, heutigen, morgigen, selbstoffensichtlichen immer gleichen Eigenen, das unabhängig von allen innerlichen oder äußerlichen Veränderungen ist, hat der Mensch ein Bewusstsein vom Selbst, das Selbstbewusstsein. Gerade dieser synthetische Grundsatz des reinen Willens und des immer gleichen Eigenen legt den Grund für das A=A, bzw. den logisch-analytischen Urgrund des Satzes der Identität und des Satzes des Nichtwiderspruchs. Und weil es eine konkrete Beständigkeit des selbstoffensichtlichen, synthetischen Grundsatzes des reinen Willensbeim selben Ich=Ich des immer gleichen Eigenen, gibt es auch die leere allgemeinlogische Mathematik; Und das die Quintessenz und das Ende der zweitausend Jahre alten Diskussion!

Die Quelle des Bewusstseins wird von außen nach innen und von innen nach außen in einem Bewusstsein hinabgeführt, vom Subjekt zum Objekt und vom Objekt zum Subjekt, die alle Unterschiede und Gegensätze des „alles ist eins“ und „ein ist alles“ verbindet, besteht nur auf dem reinen Willen, der selbstoffensichtlichen Verbindung Ich=Ich, auf dem immer gleichen Eigenen.

Es ist nicht der Fall, dass ein ältestes „Es ist“ unser immer gleiches Eigenes bestätigt, unser personales Selbst, sondern das personale Ich=Ich bestätigt jedes „Es ist“ und sogar das ursprüngliche Bewusstsein vom Selbst. Dies ist die älteste synthetische Achse, die innere Grundlage, um die alles angesammelt wird, bleibt, stehen bleibt, standhaft bleibt, besteht und existiert, vor irgendeinem Begriff oder irgendeiner Wahrnehmung! Ohne das reine, selbstwillentliche Selbst kann das logische Selbst nicht begriffen werden. Diese starke Achse, die innere Beständigkeit, das Bleiben, Stehen und Bestehen,  misst vielmehr das Äußere, als dass diese allem grundlegende Achse, die innerlich als die älteste Stütze, das Stehen, das Bleiben und das beständige Dasein ist, vom Äußeren gemessen wird!

Innerhalb des allgemeinlogischen Selbst kann man kein Früheres-Jetziges-Späteres unterscheiden und darum führt Kant speziell den Sinn für die Zeit, die Selbstwahrnehmung a priori, ein,  um mit Hilfe der transzendentalen Bestimmungen der Einzeitigkeit, Folge und Dauer die Zeit zu unterscheiden. Aber man unterscheidet durch das Gestrige-Heutige-Morgige immer gleiche Eigene und die Inhalte der äußeren Wahrnehmungen nicht nur das Frühere, Jetzige und Spätere, sondern dank des immer gleichen Eigenen gibt es gar keinen Bedarf eines speziellen Sinnes für die Zeitwahrnehmungen!

 

Ich denke und Ich bin

 

Vor der Frage, ob es dies und jenes gebe, muss klar gestellt werden, was unter dem Sein verstanden wird. Welche erst-, zweit- und drittstufige Bedeutungen werden diesem Begriff beigemessen?

Kant zufolge existiert nichts nur vom Begriff her selbst, sondern erst, nachdem das Sein durch äußere und innere Raum- und Zeitwahrnehmung bestätigt worden ist. Außerhalb dieser Erfahrungskräfteist die Welt nur ein leeres, transzendentales X. Innere Erfahrungen sind nur auf Grund äußerer Erfahrungen möglich. Auch wenn Kant trotzdem erst durch äußere Wahrnehmungen „wirkliche von eingebildeten Talern“ unterscheidet, versteht er unter dem ursprünglichen  „Ich denke“ ähnlich wie Descartes  doch „Ichbin“ – unabhängig von den Wahrnehmungen.  Auf der einen Seite ist die objektive Existenz durch die transzendentale Subjektivität bedingt und auf der anderen wird das Vorwahrnehmbare und Vorbegriffliche unter demobjektiven Sein verstanden. Obwohl Kant das Sein bloßer Inhalte außerhalb unserer Erfahrungsformen als leeres, transzendentales X versteht, stellt er das objektive Seinuseres Selbst nicht in Frage. Darüber hinaus akzeptiert er das nur formal-inhaltliche erscheinende Sein in Einheit der leeren Formen und bloßer Inhalte nicht, sondern auch das objektive Seins unseres unerkennbaren Wesens oder des Dings an sich!

Wenn unser Wesentliches und das Ding an sich schlussendlich unabhängig von der erkennbar - erscheinender Einheit des Inneren und Äußeren, form- und inhaltsleer existieren und sind, welchen Sinn hat dann die transzendentale Wende, in der die ganze erscheinende Objektivität auf die reine Subjektivität gelenkt wird?

 

Der selbstoffensichtliche reine Wille

 

Was für eine Verbindung besteht zwischen dem reinen „Ich denke“ und „Ich bin“? Bisher wurde schon erwähnt, dass das Bewusstsein vom Sein selbst bei Kant durch das reine „Ich denke“ (ähnlich wie bei Descartes´“cogito“), das unabhängig von jeder Wahrnehmung ist, dargereicht wurde. [Ich bin] „mir meiner selbst in der transscendentalen Synthesis des Mannigfaltigen der Vorstellungen überhaupt, mithin in der synthetischen ursprünglichen Einheit der Apperception bewußt, nicht wie ich mir erscheine, noch wie ich an mir selbst bin, sondern nur daß ich bin. Diese Vorstellung ist ein Denken, nicht ein Anschauen.“[10] Aber wie kann ich mir ohne irgendwelche  Wahrnehmungsinhalte bewusst sein, dass ich bin und existiere? Kant meint, dass die Selbstgewissheit nicht das wesentliche Wissen sei und das Wesentlichste unseres personalen Selbstseins uns unzugänglich sei.

Anderseits, was würde denn das wesentliche Wissen über das Selbst, das eigene Selbst, überhaupt bedeuten? Gehört denn so etwas wie das Wesentlichevon uns selbst überhaupt zur hypothetischen Erkenntnis!? Warum solle unser Wesentliches überhaupt irgendein wesentliches Wissen sein, das uns begreifen, mit Gedanken und Begriffen erfassen und mit Worten ausdrücken soll? Jedes Wissen geht von etwas Bekanntem aus. So werden unbekannte, unklare Dinge erklärt und auf etwas Klares und Bekanntes zurückgeführt. Trotzdem stellt sich die Frage, welche Erkenntnisse absolut zweifellos sind, welche Wahrheiten unbestreitbar und welche Dinge selbstoffensichtlich sind? Gibt es denn solche Erkenntnisse und Dinge überhaupt? Oder setzten alle Erkenntnisse, zudem auch alle ersten selbstoffensichtlichen Prinzipien, ein älteres Wissen voraus, worin ein Ding mit dem anderen erklärt wird, das wiederum mit dem dritten… und so bis in die Unendlichkeit?

Wenn sich zum Beispiel die Frage stellt, was ein Mensch sei, dann wird mit einem gänzlich bekannten oder klareren Begriff, Ding oder Wesen versucht, den völlig „unbekannten“ oder „weniger bekannten“ Begriff des Menschen zu klären!? Man versucht,  nach einer „es ist,dass es ist“-Gleichheit der Begriffe im hypothetischen Wissensurteil zwischen Subjekt und Prädikat die Frage zu beantworten! Was dabei vergessen wird, ist die Tatsache, dass Begriffsverbindungen in unserem Selbst durch Ich=Ich, bzw. das selbstoffensichtliche und immer dasselbe Eigene, möglich sind!

Diese Erkenntnis unserer Selbst hat sogar eine weitere Unmöglichkeit. Der Erkennende ist eher derjenige, der erkennt, als das, was erkannt wird – er wird immer einen „Schritt“ hinterher sein!  Deswegen versucht Kant das Wesentliche des erststufigen synthetischen Erkennendenauch gar nicht zu erfahren, sondern klärt mit seiner transzendentalen, kritischen Methode nur unsere (zweitrangigen) Erkenntnisfähigkeiten, um den Grund für wissenschaftliches Wissen innerhalb der Erfahrungsgrenzen zu legen.

Die Tendenz, dass der Erkennende seine erststufige Form – Inhalt mit seinen zweitrangigen Verstands-, Vernunfts- und Sinnesformen erklärt, aufklärt, erkennt und näher bestimmt, oder mit dem drittrangigen Inhalt der Wahrnehmungen, hebt die erstrangige Einheit von Form und Inhalt auf, die jedenfalls älter als die zweitrangigen Formen und drittrangigen Inhalte sind, und führt mit einer voraus unmöglicher Aufstellung, des vorerkennbaren, übererkennbaren erststufigen Erkennenden auf seine zweitstufigen Formen und drittstufigen Inhalte zurück; Erklärt mittels ihnen und leitet von denselben ab! Oder wird der notwendige, erscheinende Erkennende erst durch die subjektiv-objektive Einheit der leeren Form und des bloßenen Inhalts erreicht!? Weder die Spontanität des Bewusstseins, noch die bloß formale, inhaltlich leere Einheit in der Erfahrung können mit dem Erkennenden gleichgestellt werden!

Es wurde bisher schon gezeigt, dass die Selbstgewissheit des reinen, logischen Selbst, eines Bewusstseins, des Bewusstsein vom einen, auf reinem Willen, Willen des einen basiert; Dass unser selbstoffensichtliches Sein vor jeglichen zweitrangigen Formen und drittrangigen Inhalte auf der synthetischen Grundlage des willentlichen Ich, des immer gleichen Eigenen beruht. Der Wille verfügt über seinen Verstand, die Logik, das Bewusstsein vom Selbst und einen eigenen Körper und nicht umgekehrt, dass der Verstand, d. h. die Logik über den Willen verfügt. Ebenso wird der Grund für  jedes Daseins des Daseins durch das immer gleiche Eigene, das rein willentlichen Ich=Ich, vor jedem anderen Begriff oder jeder anderer Wahrnehmung gelegt! Ansonsten würde man für die Bestätigung des immer gleichen Eigenen, als eine innere Erfahrung, auch nach einer äußeren Erfahrung suchen! Jedenfalls ist die Selbstgewissheit des logischen Selbst viel schwieriger äußerliche Erfahrungen, als das willentliche Selbst, zu begründen. Der selbstoffensichtliche, reine Wille, das immer gleiche Eigene, als wesentliche Form dem wesentlichen Inhalt gleichgestellt, steht nur vor der Geteiltheit der Form und des Inhalts und vereinigt alle erfahrbaren Formen und den ganzen Erfahrungsinhalt. Er beeinflusst nicht nur unser Entscheiden und Handeln, sondern auch unser spontanes  Denken und Urteilen.

Der Tatsache halber, dass man weder das Sehen nicht sehen, das Hören nicht hören und das Sprechen nicht sprechen, noch mit irgendwelchen konkreten Bildern, Geräuschen, Worten ausgleichen kann, kann man nur deswegen nicht behaupten, dass es sie nicht gibt! Oder weil, weder der Wille, noch das Bewusstsein erfahren oder begriffen werden kann oder mit dessen Entscheidungen, Gedanken, Urteilen ausgeglichen oder zurückgeführt werden kann, heißt es noch lange nicht, dass es sie nicht gibt!

Der „Kritik der reinen Vernunft“ zufolge besitzt der Verstand, die Logik, das allgemeinlogische, selbstbewussteIch denke, urteile“, ein empirisches Selbst – unser immer gleiches Eigenes. Aber in der „Kritik der praktischen Vernunft“ steht, dass Kant die theoretische Vernunft unter die praktische und den kritischen Verstand und den selbstkritischen, reinen Willen stellt! Offenbar gehört der Verstand, wie auch jedes andere Erkenntnisorgan, schlussendlich der wesentlichen Quelle des reinen Willens und dem immer gleichen Eigenen.

Ohne das immer gleiche Eigene eines älteren willentlichen Selbst, haben weder der Verstand, noch die Logik oder die logischen Gesetze eine Einheit, d. h. einen Grundsatz. Mit anderen Worten bedeuten der reine Verstand und das logische Selbst an sich ohne den reinen Willen und das immer gleiche Eigene rein gar nichts!

Wie auch unsere Sinnesorganen uns, dem reinen Willen und dem immer gleichen Eigenen und nicht dem Verstand und dem allgemein logischen Selbst gehören, gehört der Verstand, das allgemein logische Selbst uns alleine, dem reinen Willen und dem immer gleichen Eigenen.

Deswegen gründet Kant seine praktische Vernunft noumenal auf dem reinen Willen und den immanenten Ideen Gottes, der Freiheit und Unsterblichkeit und nicht phänomenal, als theoretisch, auf leeren Verstands- und Sinnesformen innerhalb des Erfahrungsvermögens basierend. Dass die selbstkritische Vernunft mit der Metaphysik des reinen Willens vor der kritischen Grundsatz des Verstandes, der theoretischen, erscheinenden Vernunft steht, gibt sein Werk „Metaphysik der Sitten“ kund. Darum muss der reine Wille, der älter als die Logik, vor der Logik selbst besteht, von Anfang itten“bis Ende durch dieGrundlage der Logik durchzogen sein.

 

Wissenschaft und Philosophie

 

Kant hatte im Namen der Wissenschaft die reine Subjektivität vor aller Objektivität und das transzendentale Selbst vor das personalen, empirischen Selbst gestellt. Als er trotzdem statt des reinen Willens und des immer gleichen Eigenen das reine „Ich denke, urteile“ mit leeren Denkformen und Wahrnehmungen aufgestellt hatte, hatte dabei sein transzendental-kritischer Grundsatz nicht nur die traditionelle Metaphysik geopfert, sondern indirekt eine Anforderung gestellt, dass jede künftige Philosophie wissenschaftlich gegründet sein oder im Auftrag der Wissenschaft handeln soll.

Indessen zeigt diese Arbeit, dass der reine Wille und das immer gleiche Eigene den Grund nur für reine Logikbegriffe und allgemeine und notwendige Wissensurteile da Feste bilden kann; und dass eine Philosophie immer auf dem Grund der Logik, bzw. Wissenschaft beruht (beruhen muss)! Dass der selbstoffensichtliche reine Wille und das immer gleiche Eigene als der älteste synthetische Grundsatz die ganze Gleichheit und Verschiedenheit, Wiederholung und Wiederholungsunmöglichkeit, Gegensätze und Einheiten auf sich nimmt, und nicht das allgemeinlogische Selbst. Und dass ohne den reinen Willen und das immer gleiche Eigene die allgemeinen und notwendigen philosophischen Begriffe, Wissensurteile, alle reinen Verstandes- und Vernunftsformen und so auch die allgemeinsten logischen Gesetze keinen Grundsatz haben. Und dass die wesentliche Wende der reinen Subjektivität, vor irgendeiner leeren, erfahrbaren Form oder bloßem Inhalt im reinen Willen und im immer gleichen Eigenen ausgeführt wird! Kant behauptet, die Vernunft, bzw. der Verstand könne kein „Wissenschaftler“ nur vom Begriff her und ohne Wahrnehmungsinhalte sein. Jedoch kann er kein „Logiker“ ohne den selbstoffensichtlichen reinen Willen oder das immer gleiche Eigene sein; ohne die ältere Philosophie, kein „Philosoph“! Und wenn das „Ich denke, urteile“ für die älteste synthetische Grundlage genommen wird, wird der reine Wille unter die an sich unklare Allgemeinheit und Notwendigkeit des Verstandes aufgestellt, die Philosophie unter die Wissenschaft und das selbstoffensichtliche und immer gleiche Eigene unter das logisch-analytische, allgemeinlogische Selbst.

Jedenfalls kann man durch keine Deduktion aus den allgemeinsten Begriffen der Vernunft, der logischen Denknotwendigkeit nach, nicht zum reinen Willen und dem immer gleichen Eigenen gelangen. Deswegen versuchen Fichte[11], Hegel und Schelling gerade das Gegenteil. Hegel z. B. leitet aus aller Einzelhaftigkeit, Einzigartigkeit des anfangenden, erscheinenden Seienden das erste Wesentliche ab und danach sucht er schließlich mithilfe des Wesentlichen das Wesentliche, des Begriffs den Begriff, schließlich die absolute Idee bzw. das ewige Wesen Gottes. Aber nur aus einem freien und einzelnen, einem immer gleichen Eigenen, vor jedem anderen allgemeinen Begriff, kann jede Einzigartigkeit, Allgemeinheit und schlussendlich auch die allgemeinste Subjektivität der Idee des absoluten Geistes  abstrahiert werden.

Was ist schwieriger zu erklären? Wie dieses einzelne und immer gleiche Eigene vorhanden ist oder wie die Allgemeinheit und die Notwendigkeit bestehen? Sicherlich ist es schwerer zu erklären, wie durch den reinen Willen jede unwiederholbare und freie Einzelhaftigkeit, das immer gleiche Eigene besteht, als wie die abstrahierte Allgemeinheit und Notwendigkeit besteht! Nicht nur, dass das unwiederholbare immer gleiche Eigene schwieriger zu erklären ist, sondern das allgemeinlogische, transzendentale Selbst ist ohne das immer gleiche Eigene undenkbar und unmöglich. Das Selbstbewusstsein ist kein Bewusstsein von einem allgemeinlogischen Selbst, sondern durch den reinen Willen und das immer gleiche Eigene ist es das Bewusstsein vom eigenen, einzelnen Selbst! Nur durch ein nicht wiederholbares und einzelnes Ich=Ich, das immer gleiche Eigene, hat die logische Gleichheit A=A einen Grundsatz.

Sogar bewies auch Platon die Unsterblichkeit der Seele anhand der allgemeinen und notwendigen mathematischen Verstandes- und Vernunftsurteile. Auf den ersten Blick scheint es, dass der Verstand, die Vernunft, die ewigen mathematische Aussagen und die ewig gleichen allgemeinen und notwendigen Begriffe und Ideen die Seelenunsterblichkeit beweisen; aber eigentlich bestätigt nur der selbstoffensichtliche, reine Wille, dasimmer gleiche Eigene einer ewigen und nicht wiederholbaren Seele die Allgemeinheit und Notwendigkeit des Verstandes, der Vernunft, Logik, der allgemeinen und notwendigen Begriffen, wissenschaftlichen Ideen und der Mathematik! Falls der älteste synthetische Grundsatz der reinen Subjektivität vor aller Objektivität nicht durch den reinen Willen und das immer gleiche Eigene gegeben ist, dann gibt es gar keinen Grundsatz! Selbst Platon war der Meinung, dass jede Seele, wie auch jede Idee, wieder eine substanzielle Einzelhaftigkeit ist!

Im Gegensatz zu Platon leitete Kant die allgemeine und notwendige Mathematik vom transzendentalen Selbst, vom allgemeinen und notwendigen Denken, Urteilen und von allgemeinen und notwendigen äußeren und inneren Wahrnehmungen ab. Aber die allgemeine und notwendige Mathematik, Wissenschaft, leere Verstandes- und Vernuftsformen und Gesetze der Logik haben ihren synthetischen Grundsatz dank einem ewigen, lebendigen und einzelnen immer gleichen Eigenen! „Ich denke“ hat seine Spontanität nur dank dem reinen Willen, dem einzelnen Ich=Ich, dank einem  nicht wiederholbaren immer gleichen Eigenen.

Das freie und unwiederholbare immer gleiche Eigene ist die einzige synthetische Grundlage von allem zum einen und von einem zum allen. Und vor irgendeiner Allgemeinheit und Notwendigkeit bestätigt der Mensch aus reinem Willen von Angesicht zu Angesicht, vor einem Anderen, wie auch der andere vor ihm, das einzelne und unwiederholbare immer gleiche Eigene!

Hegels Gott als der absolute Begriff aller Begriffe ist noch lange kein Gott; Gott ist erst Gott, wenn er der absolute Wille und das ewige, immer gleiche Eigene ist. Wie auch der Mensch kein Mensch nur wegen seines reinen Verstandes, der Logik und des ursprünglichen „Ich denke“ ist, sondern erst durch den reinen Willen und das immer gleiche Eigene entsteht, so ist auch das Seiende kein Seiendes nur durch die Vernunft Gottes, die Logik und das absolute Denken, sondern erst durch den absoluten Willen Gottes und das ein und ewig immer gleiche Eigene! Ohne das absolute Eigene hat Gott als der Eigentümer des Seienden kein Sein, kein Seiendes.

Für Schelling zum Beispiel ist Gott der Herr des Seienden; die absolute Möglichkeit des freien Gebens und Nehmens des Seienden. Eigentlich ist das Sein und das Seiende erst durch den Gott als Eigentümer und als der Herr über das freie Geben und Nehmen des Seienden gegeben.

 

Prinzipien der praktischen Logik

 

Wenn diese synthetische Grundlage des reinen Willens nicht im Grundsatz der Vernunft und der Logik eingesehen wird, dann wird sie bestimmt auch in den Grundlagen der Mathematik, der Naturwissenschaft übersehen und in diesem Fall akzeptiert die Naturwissenschaft nur das formal leere „Ich denke, urteile“ als eine Verbindung des Begriffs und der Wahrnehmung a priori in wissenschaftlichen Aussagen. Grundsätzlich kann nicht nur das logische Selbst, das alle Begriffe, Urteile und experimentelle Resultate durch allumfangende Schlüsse in eine nichtwidersprüchliche Theorie vereinheitlicht, in den Grundlagen der Mathematik, der Naturwissenschaft, stehen, sondern das fachliche und verantwortliche, wissenschaftliche Selbst muss von Anfang an eine synthetische Grundlage des reinen Willens fordern.

Eigentlich wird diese synthetische Grundlage des reinen Willens in jedem Individuum, jeder Gemeinschaft gesucht. Nur eine solch gegründete praktische Logik modelt verschiedene, gegensätzliche Bedürfnisse, Motive in eine nichtwidersprüchliche Person um. Dies ermöglicht dem Menschen sein eigenes Selbst zu entwickeln und sich gleichzeitig anderen Menschen in einer Gemeinschaft anzupassen. Nur der reine Wille hat die Möglichkeit die Unmenge verschiedener, gegensätzlicher Vorstellungen, Motiven, Wertungen, die in einem Menschen streiten und gegen ihn kämpfen, in die höchste Einheit der Gedanken, Worten und Taten zu verwandeln, die geistlichen Koordinaten der freien Person selbst und in der Gemeinschaft – in der Welt – zu finden. Es bezieht sich nicht nur auf jedes Individuum, sondern auch auf jede Gruppe, Gemeinschaft und Gesellschaft.

 

Der reine Wille und die theoretische Vernunft

 

Offenbar kann die theoretische Vernunft an sich, mit ihrem allumfangenden Schlussfolgern nicht der höchste Regler unserer Erkenntnisse und Erfahrungen, der höchste Vereiniger aller Begriffs- und  Verstandesurteilen sein. Genauso wie der reine Verstand keinen Grundsatz ohne die älteste synthetische Grundlage des reinen Willens und das immer gleiche Eigene hat, hat auch die reine Vernunft keinen. Zum Beispiel sieht Platon keinen Grundsatz für den Verstand, die Vernunft und unsere ganze Erkenntnis ohne die höchste Idee des Guten, und Aristoteles ohne den höchsten zweckmäßigen Ursprung. Ebenso kann auch Kants theoretische Vernunft ihre höchst regulative Rolle, mithilfe der sie alle einzelnen, einzigartigen, allgemeinen Begriffe und Urteile des Verstandes das Allumfangende unserer ganzen Erkenntnisse und Erfahrungen ermittelt, den reinen Willen und das immer gleiche Eigene nicht ausführen. D. h. wenn die kritische Vernunft und der Verstand einen Grundsatz im selbstkritischen reinen Willen und immer gleichen Eigenen haben, dann verschwindet der Bedarf nach wesentlicher Abgrenzung der theoretischen und praktischen Vernunft und der besonderen Kritik der Urteilskraft, die den Übergang zwischen ihnen schafft, da alles auf der einzigartigen Kraft gegründet wird.

 

Der reine Wille und die praktische Vernunft

 

In der „Kritik der praktischen Vernunf ist der reine Wille für Kant individuell, persönliche und allgemein menschlich, überpersönliche. Die selbstkritische, praktische Vernunft soll mithilfe seiner nichtwidersprüchlichen praktisch-ethischen Fähigkeiten das eigenste Persönliche und allgemeinmenschliche Überpersönliche ausgleichen. Obwohl das willentliche Selbst eigen und allgemein ist, ist es mehr eigen, als allgemein, und obwohl das logische Selbst eigen und allgemein ist, ist es eher allgemein, als eigen. Deswegen stellte  Kant die substanzielle selbstkritische, praktische Vernunft vor die erscheinende Erkenntnis der theoretischen, kritischen Vernunft.

Gegenüber der erkennbaren, kritischen Vernunft und erscheinenden Einheit der leeren Formen einerseits und bloßer Inhalte anderseits, sucht Kant mittels der moralischen, selbstkritischen Vernunft die wesentliche Einheit von Form und Inhalt, den persönlichen und gemeinsamen Willen. Auf diese Weise wird durch die Immanenz Gottes, der Freiheit und Seelenunsterblichkeit aus einem absoluten Willen eine Herrschaft in sich selbst, ein eigener freier Wille und die Möglichkeit der Verschmelzung mit genau solchen, anderen Willen in einer Herrschaft, der selbigen freien Gemeinschaft, gebildet. Nur nichtwidersprüchliche Regeln der moralischen Vorgehensweise in der höchsten Einheit der praktischen Vernunft des substanziellen reinen Willens und einer Herrschung in sich selbst, des immer gleichen Eigenen, mit klaren Verbindungen wie „Ja – Nein“, „Es ist – Es ist nicht“ und „Ich will – Ich will nicht“, führen zum freien Willen!

Nur wenn du selbst bist, bist du Gottes Mensch, und nur wenn du Gottes Mensch bist, bist du selbst.

Die Herrschung in einem desselben reinen Willens zeugt sein Eigenes, Freies und Persönliches und die höchste Gerechtigkeit der gesetzgebenden Vernunft für alles – allgemein Menschliches, Überpersönliches. So wenn jemand die Frage stellt, wo der Unterschied zwischen dem empirischen Willen und dem reinen Willen liege, sollte darauf geantwortet werden, dass nur der reine Wille der eigene Wille sei; oder wenn der empirische Wille zum reinen Willen werde, dann entstehe der eigene Wille! Wenn der Mensch keine Einheit von Gedanken, Worten und Taten hat, bzw. eines denkt, zweites spricht und drittes tut, wie soll er denn wissen, was sein eigener Wille ist!? Nur unter der Bedingung, dass seine Gedanken, Worte und Taten im Einklang sind, ist sein Leben tatsächlich auch sein Leben.

Allerdings gibt es nicht nur Entgegensetzungen von Wörtern in entgegengesetzten Begriffen, Urteilen, Schlüssen, sondern auch von Gedanken gegenüber Gedanken, von Entscheidungen gegenüber Entscheidungen, von Taten gegenüber von Taten; zudem auch zwischen Gedanken, Entscheidungen und Taten. Ebenso beruht im weitesten Sinne auch der Nichtwiderspruch auf dieser Einheit von Gedanken, Worten Entscheidungen und Taten. Demzufolge ist der reine Wille dem eigenen Willen am ähnlichsten, weil aus einer Herrschaft in sich, des immer gleichen Eigenen im eigenen Ideal, diese höchste Einheit von Gedanken, Worten Entscheidungen und Taten aufstellt und sie ausführt.

Der Sinn der Vernunft, der höchsten praktischen Fähigkeit, sucht im reinen und demselben Willen eine Stütze, wie der reine und derselbe Wille anderseits für sein immer gleiches Eigenes als Halt die Herrschaft in sich, die höchste Einheit der gesetzgebenden Vernunft, nichtwidersprüchliche Regeln der praktischen Vorgehensweise, sucht. Nur die Regeln der praktischen Vorgehensweise eines absoluten Willens, als die höchste Fähigkeit für sich selbst, für andere, für alle, führen zu einer Herrschung, zum Selbst des eigenen freien Willens. Wenn die Herrschung eines reinen, desselben Willens beim Vorgehen gegenüber anderen zerstört wird, dann wird nichts auf der Wahrheit und dem Guten gegründet, da die Herrschung in sich selbst verloren geht, so auch das Selbst des eigenen freien Willens.

Nur befreit von irgendwelchen Idolen in der inneren Maßlosigkeit eines reinen, nichtwidersprüchlichen, desselben Willens, hat das immanente Eigene, das eigenste Persönliche und gleichzeitig vom absoluten Willen Gottes das allgemein Menschliche, das Überpersönliche.

Genauso wie die Form des reinen Begriffs im Verstand, in der theoretischer Vernunft, nicht genügend für das Kriterium der objektiven Erkenntnisse ist, bei welchem Wahrnehmungsinhalte benötigt sind, so genügt auch bei der praktischen Vernunft nicht nur, dass man mit dem kategorischen Imperativ weiß, was gut ist, sondern es wird für das moralisch-praktische Wesentliche eine Bestätigung auf Grund der Selbsterfahrung, des Persönlichen, benötigt! Der kategorische Imperativ als die höchste Anweisung der praktischen Vernunft, womit der reine Wille geleitet wird, um in seinem Tun das Persönliche und gemeinsame Gute auszugleichen, aber ohne Bedarf, dieses Wesentliche am Handeln zu bestätigen, bleibt auch weiterhin erkenntnislogisch und phänomenal, weil der Mensch wissen kann, was gut ist, ohne es dabei zu tun; er kann sich dessen ohne zu handeln bewusst sein.

Dieses Wesentliche des reinen Willens einer Seele muss am praktischen Handeln des Guten individuell, erfahrbar und persönlich bestätigt werden, um nach dem höchsten moralischen Prinzip der gesetzgebenden Vernunft vom absoluten Willen Gottes und allgemeinen Guten für alle das Metaphysische und Überpersönliche zu sein.

 

Die erscheinende und wesentliche kopernikanische Wende

 

„[…]Bisher nahm man an, alle unsere Erkenntnis müsse sich nach den Gegenständen richten[…] Man versuche es daher einmal […] an[zu]nehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten[…]“[12]

„Ich musste also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen.“[13]

Es ist offensichtlich, dass ein Widerspruch zwischen diesen grundsätzlichen Aussagen aus der Vorrede zur Kants Kritik der reinen Vernunft besteht. Ein Widerspruch zwischen der kopernikanischen Wende der erkenntnislogischen, theoretischen Vernunft (wenn sich die Gegenstände nach unsren Erkenntnissen richten) und der kopernikanischen Wende der praktisch-moralischen Vernunft, in Richtung des immanenten Glaubens, das auf dem übererkennbaren, überlogischen reinen Willen gegründet ist.

Auch wenn Kant davon ausgeht, dass sich die Gegenstände nach unserer Erkenntnis und nicht wir nach den Gegenständen an sich richten müssen, kommt er letztendlich zum Schluss, dass wir weder die Gegenstände, noch den Endzweck unserer selbst erkennen können! Mit anderen Worten ist die ganze Philosophie vor Kant davon ausgegangen, dass sich die Gegenstände nach unseren Erfahrungsfähigkeiten richten und dass man sie deshalb erkennen kann, womit man im Vorhinein eine Art „kopernikanischer Wende“ miteinschloss! Gerade Kant ist es, der diese Philosophien kritisiert, weil sie vor dieser Erkenntnis die Möglichkeiten unserer Erkenntniskräfte nicht geprüft haben, denn hätten sie dies getan, hätten sie eingesehen, dass solche  Erkenntniskräfte  überhaupt nicht besitzen, mit denen wir den Endzweck unserer selbst oder das Wesentliche der Gegenstände an sich erkennen könnten. Und seine kritische Haltung hätte eher das Gegenteil nachvollziehen sollen, nämlich dass sich Gegenstände nicht nach uns und unseren Erkenntniskräften richten, sondern dass wir und unsere Erkenntniskräfte uns nach den überlogischen, übererkennbaren Gegenständen an sich richten!

 Und wenn Kant einerseits behauptet, dass wir das Wesentliche der Dinge nicht erfahren könnten und anderseits, dass unser Endzweck nicht in der Erkenntnis liege, sondern dass unsere theoretische Vernunft und alle erscheinende Erkenntnis unter dem substanziellen reinen Willen stünden und dass deswegen die praktische der moralischen Wesenheit untergeordnet sein müsse, ist er allerdings widersinnig. Wie kann das Wesentliche fehlen!? Wenn einer Sache das Wesentliche fehlt, dann gibt es diese Sache gar nicht! D. h. wenn unser wesentlicher Zweck nicht erfahrbar, sondern praktisch-moralisch ist, dann hat es keinen Sinn von der wesentlichen Erkenntnis und dessen Unmöglichkeit zu reden, denn dann hätte man klar sagen sollen, dass unsere Erkenntnis nicht begrenzt und erscheinend wegen der Unmöglichkeit unserer Erkenntniskräfte (unabhängig davon, wie sie sind) sei, sondern weil unser wesentlicher Zweck nicht erkennbar, sondern praktisch-moralisch sei, sei auch unsere Erkenntnis begrenztunderscheinend!

Also wenn die kopernikanische Wende der praktisch-moralischen Vernunft, des übererkennbaren, überlogischen reinen Willens gilt, dann gilt die kopernikanische Wende der erkennbar-logisch erscheinenden Vernunft nicht! Kant hätte seine erste These ganz im Gegensatz ausdrücken sollen, denn so, wie sie ist, hat zur Folge, das die erste These, die zweite aufhebt und dies führt zu einem Widerspruch! Erst aus dem letztendlichen Schluss Kants kritischer Philosophie von der Erststufigkeit des praktisch-moralisch Wesentlichen folgt die Zweitstufigkeit der Erkenntnis! Unser Zweck ist nicht praktisch-moralisch, weil unsere Erkenntnis erscheinend und begrenzt ist, sondern weil unser Zweck praktisch-moralisch und nicht erkennbar ist, ist unsere Erkenntnis erscheinend und begrenzt und muss deswegen dem erstrangigen, praktisch-moralischen Wesentlichen untergeordnet sein!

Die kopernikanische Wende des erfahrbaren, theoretischen Verstands ist nur erscheinend und setzt den reinen Willen und die übererkennbare, praktisch-moralische Vernunft vollkommen voraus. Wenn eine Sache an sich nicht erfahren werden kann, dann beruht das Reine nicht auf dem Wissen einer unendlichen, gleichen Wahrheit, sonder auf dem reinen Willen und dem immer gleichen Eigenen. Nur der übererkennbare, überlogische, praktisch-moralische Grund des selbstkritischen reinen Willens, des immer gleichen Eigenen, mit allen Postulaten des Gottes, der Freiheit und der Unsterblichkeit der Seele ist das Reine an sich, die wesentliche Vernunftheit und das erstrangige Wahrheit-Gleiche, welches die Kritisiertheit an sich gründen kann! Der Sinn der reinen Subjektivität vor jeglicher Objektivität besteht nicht darin, dass sich Gegenstände unseren Erkenntnisfähigkeiten richten, sondern darin, dass die erscheinende kritische Vernunft unter den substanziellen reinen Willen und die selbstkritische, praktische Vernunft gestellt wird! „Ich musste also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen.“

Hegel zufolge bedient sichder Listigkeit der Vernunft die ganze Natur, Geschichte, „der Wille“ jedes Menschen, Volks, jedes Eigene und schließlich auch Gott beim Selbsterkennen des abosluten Geistes, der Ideen. Für Kant stehen die theoretische Vernunft und alle erscheinende Erkenntnis vor der praktischen Vernunft und der wesentlichen praktisch-moralischen Prinzipien.

Heraklits Zitat zufolge: „Schlechte Zeugen sind den Menschen Augen und Ohren, wenn sie unverständige Seelen haben.“[14] und Platons übererkennbare, überlogische Idee des Guten über alle Ideen und Erkenntnisse hinweg zufolge.

 

Die Frage, was der Mensch sei, hebt Kants kopernikanische Wende auf

 

Wenn die wichtigsten Fragen: was ich wissen kann, was ich tun und worauf ich hoffen soll (die dasselbe was beinhalten), auf die Fragereduziert werden, was der Mensch sei, dann hebt dies Kants kopernikanische Wende im erscheinenden und wesentlichen Sinne auf! Die Wende der erscheinenden, theoretischen Vernunft wird wegen der im Vorhinein erscheinenden Was-Fragen des erfahrbaren Fragens-Antwortens als das Wesentliche betrachtet, obwohl es der vorfragliche und überfragliche transzendentale Grundsatz ist, der jedes was oder wie, wieviel, weshalb beim Fragen-Antworten ermöglicht. Jedes was, wie viel, wie, weshalb Fragen-Antworten basiert auf einer älteren transzendentalen Grundlage, die vor dem vorfraglichen, überfraglichen, übererkennbaren, ursynthetischen Selbst steht.

Eigentlich fühlte sich Kant nicht verpflichtet aus den Kategorien, die von Qualitäts-, Quantitäts-, Relations-, Modalitätsurteilen herabgeleitet wurden, den Grund für Was-, Wie-, Wie viel- und Weshalb-Fragen  zu stellen, weil ihm zufolge jedes Fragen-Antworten unserer Erkenntnis nur erscheinend der transzendentalen Grundlage nach ist, und nicht wesentlich, möglich ist! Falls der Ursprung der Fragestellung (Was kann ich wissen?) mit den Was-, Wie-, Wie viel-, Weshalb-Fragen nicht wesentlich sein kann, dann können auch das Wissen selbst als die Antwort auf die Fragestellung und die Fragen nicht das Wesentliche, bzw. wesentlich sein! Oder wenn alle Erkenntnisse der theoretischen Vernunft im Vorhinein erscheinend sind, kann kein Fragen-Antworten (mit was, wie, wie viel und weshalb) das Wesentliche, d. h. wesentlich sein!

Die Frage, was der Mensch ist (indirekt, was Ich bin) hebt vor allem den älteren, selbstoffensichtlichen reinen Willen (und das immer gleiche Eigene) und Kants wesentliche kopernikanische Wende der immanenten praktisch-moralischen Vernunft auf. Im Grunde genommen wurde der transzendentale Grundsatz des ursynthetischen Selbst schon vorfraglich und überfraglich vor der Logik, der Philosophie oder irgendeiner Erkenntnis und Erfahrung – vor irgendeinem erscheinenden Fragen-Antworten – dargelegt, und schon gar der selbstoffensichtliche Wille und die immanenten Postulate der praktischen Vernunft! Falls die Frage, was der Mensch sei, für die wichtigste Frage gehalten wird, dann kehrt alles gegenüber der wesentlichen Wende des selbstoffensichtlichen reinen Willens und der praktisch-moralischen Vernunft wieder zur erscheinenden, erkennbaren Vernunft zurück.

Die Fragen, was, wie viel, wie, weshalb etwas sei, sind nicht deswegen auf das Resultat begrenzt, weil man nicht bis zur wahren und wesentlichen Antwort gelangen kann, sondern weil unser vorrangiges Wesen (von Vorherein) kein erfahrbares Fragen-Antworten ist! Jedes was, wie viel, wie und weshalb dies und das sei, bleibt als Fragen-Antworten innerhalb der theoretischen, erscheinenden Vernunft. Jede Antwort auf die Frage, was der Mensch sei, und die zweitrangigen Fragen, was, wie viel, wie und weshalb er aus der allmöglichen, erfahrbaren Erscheinung tritt, wird oberhalb des praktisch-moralischen Wesentlichen, des selbstoffensichtlichen reinen Willens und der überlogischen, übererkennbaren, noumenalen praktisch-moralischen Vernunft gestellt und unter das erkennbar-logische Phänomenale zurückgeführt. Dies ist jedenfalls unmöglich, denn jedes erkennbar-logische Fragen-Antworten, wie auch die Frage, was der Mensch sei, versteht schon einen übererkennbaren, überlogischen reinen Willen und das immer gleiche Eigene darunter.

Die Quelle des transzendentalen Kritisierens aller erscheinender  Erkenntnis beruht auf dem Selbstkritisieren der eigenen Erkenntniskraft und ist das Wesentliche der selbstkritischen praktisch-moralischen Vernunft des übererkennbar, überlogischen reinen Willens. Der substanzielle reine Wille muss verhindern, dass jede Erkenntnis der theoretisch, erscheinenden Vernunft das praktisch-moralische Wesentliche eines Menschen – der Menschheit relativiert. Er muss im Vorhinein jede Möglichkeit ausschließen, dass notwendiges, erscheinendes Fragen-Antworten den Menschen – die Menschheit auf dies und das zurückführt, sondern dass erst am praktisch-moralischen Handeln des Guten das Überwesentliche, eigenste Persönliche und das Wesentliche der Menschheit, des Allgemeinmenschlichen und Überpersönlichen bestätigt werden. „Ich musste also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen.“

Jedenfalls ist das Ernennen der Frage, was der Mensch sei, als die wichtigste Frage nicht im Einklang mit den Schlüssen der kopernikanischen Wende der erscheinenden, theoretischen Vernunft (dass unser Wesentliches nicht erkannt werden kann) und mit den Schlüssen der wesentlichen praktischen Vernunft (dass unser Wesentliches nicht erkennbar, sondern praktisch und moralisch sei). Genauer genommen hebt es den Unterschied zwischen der kritischen, theoretischen Vernunft und der wesentlichen, selbstkritischen praktisch-moralischen Vernunft auf!

Eigentlich hätte Kant klarstellen sollen, dass er diese Frage schon beantwortet hatte!

Eigentlich hätte Kant mit seiner Behauptung, dass die praktisch-moralische Vernunft das Wesentliche des Menschen sei, klarstellen sollen, dass er diese Frage schon beantwortet hatte! Dass der substanzielle reine Wille mit den immanenten Ideen der praktischen Vernunft im praktisch-moralischen Handeln des Guten ist, bestätigt gerade das Wesentliche des Menschen – der Menschheit. Wie auch bei der praktischen Vernunft, was schon gesagt wurde, für die wahre Erkenntnis nicht nur die Begriffsform genügt, sondern auch die Bestätigung der Wahrnehmungen, so ist auch bei der praktischen Vernunft ungenügend, dass der selbstoffensichtliche reine Wille mittels des kategorischen Imperativs weiß, was gut ist, sondern dass dieses praktisch-moralische Wesentliche des Menschen – der Menschheit am Handeln des Guten aus eigener Erfahrung und persönlich bestätigt werden muss.

Dass diese praktisch-moralische Grenze des Guten gegenüber jeder Grenze der Erkenntnis, der erscheinenden, theoretischen Vernunft, als gute qualitative Grenze – das Wesentliche des Menschen an sich ist. Und dass nur einzig im reinen Willen und dem immer gleichen Eigenen die kritische und die selbstkritische Vernunft, das eigenste Persönliche und Allgemeinmenschliche, Übermenschliche  verschmelzen.

Über das Seiende sagt Parmenides: „Weil das Seiende nicht ohne Abschluss sein darf; Denn es ist unbeduerftig, fehlte ihm aber der, so wuerde es des 'ganz' beduerfen (?).“[15] Das ist diese qualitative Grenze aller Seiten derselben Wahrheit – Gerechtigkeit, mit der ein Wesen ist und nicht nicht ist. D. h.  „[Darum darf das Seiende nicht ohne Abschluß sein. Denn es ist mangellos.] Fehlte ihm der, so wäre es eben durchaus mangelhaft.“[16]  Für die Selbstbegrenzung der praktisch-moralischen Vernunft kann man eher behaupten, dass sie eine gute Grenze ist, die qualitative Grenze aller Seiten derselben Wahrheit, eine gute Grenze, die Grenze des Guten, die das Wesentlichste des Menschen in Richtung innerlicher Maßlosigkeit des reinen Willens und des immer gleichen Eigenen gestaltet und bildet und ohne die es ganz mangelhaft wäre, ohne die es alles verlieren könnte oder mit der es alles gewinnen kann! Aber aus dem Grund, dass Kant weder die Noumenalität des reinen Willens nicht stärker gegründet hatte, noch eingesehen hat, dass die selbstoffensichtliche synthetische Grundlage des reinen Willens und des immer gleichen Eigenen schon im Verstand, in der theoretischen Vernunft notwendig ist, hebt er die Frage-Antwort, was der Mensch denn ist, die wichtigste Frage, womit er wiederum die erkennbar-logische phänomenale Vernunft vor den substanziellen reinen Willen und die selbstkritische, praktisch-moralische noumenale Vernunft indirekt stellt, was die folgerechte Auslegung seiner Philosophie jedenfalls nicht gestattet.

 

Übersetzung ins Deutsche Georgina Dragovic

                                                                          

 

 



[1] Tomislav Novakovic (1960) schloss sein Studium an der Philosophischen Fakultät in Belgrad ab, lebt und arbeitet jetzt als selbstständiger Philosoph in Cacak (Serbien).

E-Mail-Adresse: novakovictomislav5@gmail.com Hompage: www.filozof.rs  

[2] Diese Arbeit stammt aus den Kantstudien: Tomislav Novaković, Čisto Ja i Atomika Kantove Kritike čistog uma /Načela praktične logike, Beograd, Desire, 2010.

[3]KrV, AA: S. 110

[4]KrV, AA: S. 110.

[5]KrV, AA: S. 110. 29-31.

[6]KrV, AA: S. 110. 32-35.

[7]KrV, AA: S. 108-109. 29-32.

[8]KrV, AA: S. 109. 23-25.

[9] G.W.F. Hegel, Wissenschaft der Logik. Lehre vom Sein, in: Bd. 5, 43. f.

[10]KrV, AA: S. 123. 2-6.

[11] Fichte, Johann Gottlieb: Versuch einer neuen Darstellung der Wissenschaftslehre Hsgb.: Band 1. Berlin 1845/1846 GA I/4: 257f. „[...]die Vernunft das einige an sich, und die Individualität nur akzidentell; die Vernunft Zweck; und die Persönlichkeit Mittel; die letztere nur eine besondere Weise, die Vernunft auszudrücken [...]Nur die Vernunft ist ihr ewig; die Individualität aber muß unaufhörlich absterben. Wer nicht in diese Ordnung der Dinge zuvörderst seinen Willen fügen wird, der wird auch nie den wahren Verstand der Wissenschaftslehre erhalten.“Fichte stellt die Vernunft vor den reinen Willen, aber nur der reine Wille, der als vollkommene Einheit des reinen Denkens, der Worte, Taten und Handlungen besteht, gründet die Vernunft mittels des praktischen Vermögens! Allenfalls führt die Tatsache, dass Fichte vor dem einzelnen Selbst und substanziellen, vernünftigen Selbst, vor dem individuellen, personalen Selbst dem allgemeinlogischen Selbst den Vorzug gibt, direkt zu Hegels Philosophie des absoluten Selbst. Und deswegen erscheint Schopenhauers blinder Wille und Nietzsches Wille zur Macht als Reaktionen auf Hegels Ansichten. Diese Polarität des allgemein logischen und personalen Selbst wurde auch später zwischen der existenziellen Philosophie einerseits und dem Positivismus oder der analytischen Philosophie anderseits fortgesetzt.

[12]KrV, AA: S. 11. 37, S. 12. 1-6.

[13]KrV, AA: S. 19. 5-6.

[14]Marcel van Ackeren: Heraklit: Vielfalt und Einheit seiner Philosophie, Peter Lang AG, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Bern 2006, S.  77

[15]Deus et esse: eine Spurensuche von Ludwig Kröner, Münster: Lit, 2002, S. 13

[16]Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und Deutsch von Hermann Diels. 1. Band, Berlin 1922, S. 157

О Новаковић Томиславу

Томислав Новаковић јe дипломирао филозофију  на Филозофском факултету у Београду. Живи и ствара у Чачку као самостални филозоф.

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Филозофија дана

По речи Христовој, царству небеском је најближе дете које се игра.

Игра се суштински, више него сваки човек по чистој љубави, не узноси се, опрашта...

Само просто опраштање срца шири душу у духовно пространство чисте радости, игре, а оно што човек зове “игром“, често је далеко од те радости.

Тај повратак детету, значи да човек не сматра да је пред Богом зрео, него заувек дете које своје мисли, осећаје предаје са поверењем вечном родитељу – Богу.

Зрелост нема никаквог смисла пред Богом, а у задњем смислу, ни пред човеком...

Све су Божије заповести дате за најузвишенију игру љубави из вечног живота и нарушавањем тих правила та духовна радост се губи.

  

Томислав Новаковић

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